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von Malte Fischer und Sophia Kissling
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Lange schien es, als könnte Chinas Aufstieg der deutschen Wirtschaft nichts anhaben. Ob Maschinen oder Autos der internationalen Spitzenklasse, ob Präzisionsinstrumente der Medizin- und Elektrotechnik oder Spezialchemikalien: Produkte «made in Germany» waren überall begehrt.
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Nachdem China Anfang des Jahrtausends der Welthandelsorganisation beitrat, überschwemmten chinesische Unternehmen zwar den Weltmarkt mit Billigtextilien und Billigstahl. Doch das traf vor allem Amerika. Es waren Unternehmen in den USA, die Marktanteile verloren, insolvent gingen und Arbeiter entlassen mussten.
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Deutschland hingegen wähnte sich sicher. China, so glaubte man damals, brauche für seine Aufholjagd moderne Maschinen und Anlagen. Also genau das, was deutsche Unternehmer im Angebot hatten. Diese ausgeklügelte Technik, diese präzisen Bauteile gab es nur in Deutschland, so lautete die gängige Erzählung. Die könnten die Chinesen nicht selbst herstellen, und so würde es bleiben. Deutschland hat nichts zu befürchten.
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Diese Grafik lässt daran zweifeln. Sie zeigt, dass die Nettoexporte, also die Ausfuhren abzüglich der Einfuhren, seit 2018 in China immer stärker zum Wirtschaftswachstum beitragen. In Deutschland hingegen bremsen sie das Wachstum. Der einstige Motor der wirtschaftlichen Entwicklung ist heute ein Bremsklotz.
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Der deutsche China-Schock
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Auf den ersten Blick haben diese Entwicklungen nichts miteinander zu tun: In Deutschland verlieren die Exporte eben an Bedeutung, für China werden sie immer wichtiger. Doch wer genauer hinsieht, erkennt einen Zusammenhang. Das Reich der Mitte hat sich in den vergangenen Jahren zum Wettbewerber für die deutschen Exporteure entwickelt. Die Analyse der NZZ zeigt: Chinas Aufstieg ist Deutschlands Abstieg.
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Das hat mehrere Gründe. Mittlerweile stellt das fernöstliche Land Produkte, die es früher aus Deutschland importiert hat, selbst her. Noch dazu verdrängt es mit seinen Erzeugnissen immer stärker deutsche Waren aus dem Markt. Deutschland erlebt einen China-Schock, der die Wirtschaft in ihren Grundfesten erschüttert und den Wohlstand gefährdet.
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Das Kräfteverhältnis verschiebt sich
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Da verwundert es nicht, dass immer mehr Menschen in Peking oder Schanghai lieber Autos chinesischer Hersteller kaufen als Edelkarossen aus Deutschland. Sie sind nicht nur billiger, sie sind häufig auch besser. Im Maschinenbau, bei elektronischen Erzeugnissen und Chemikalien überzeugen Chinas Unternehmen ebenfalls mit guter Qualität und günstigen Preisen.
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So verschiebt sich das Kräfteverhältnis der beiden Export-Schwergewichte. 1999 lag der Anteil chinesischer Produkte an den gesamten Einfuhren der EU-Länder (ohne Deutschland) noch bei 2 Prozent. 2024 hatte er sich auf 8,4 Prozent vervierfacht. Dagegen ist der Anteil deutscher Produkte an der Einfuhr der übrigen EU-Länder im selben Zeitraum von 19,7 auf 16,7 Prozent gesunken. Sowohl bei Kraftfahrzeugen als auch bei Maschinen und chemischen Erzeugnissen haben chinesische Anbieter ihren deutschen Konkurrenten Marktanteile abgenommen.
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Wie hat China diese Aufholjagd geschafft? Die niedrigen Lohnkosten in Fernost sind ein Grund. Aber sie sind nicht der einzige. Die Regierung in Peking greift den heimischen Unternehmen auch nach Kräften unter die Arme, mit Subventionen, zinsverbilligten Krediten, günstigen Grundstücken und einer unterbewerteten Währung.
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Nach Berechnungen der Industrieländer-Organisation OECD erhalten chinesische Unternehmen drei- bis achtmal so hohe staatliche Subventionen wie ihre Konkurrenten in den Industrieländern. 60 Prozent der weltweiten Marktanteilsgewinne chinesischer Unternehmen lassen sich durch die staatlichen Hilfen erklären.
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Vom Kunden zum Konkurrenten
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Zusätzlichen Rückenwind erhalten Chinas Exporteure durch die unterbewertete Währung. Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass die chinesische Zentralbank den Renminbi durch Interventionen am Devisenmarkt um 16 Prozent unter dessen fairen Wert drückt. Manche Ökonomen gehen gar von einer Unterbewertung von 30 Prozent aus.
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Der niedrige Wechselkurs erleichtert es den Unternehmen, ihren deutschen Konkurrenten in deren angestammten Märkten in Europa Marktanteile streitig zu machen. Der Druck für die deutschen Unternehmen ist besonders gross, weil sie ähnliche Waren anbieten wie die chinesische Konkurrenz. Die wichtigsten Exportprodukte beider Länder sind Kraftfahrzeuge, Maschinen und elektronische Erzeugnisse.
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Die Exportoffensive Chinas ist machtpolitisch von langer Hand geplant worden. Die Führung in Peking arbeitet beharrlich daran, das Land zum weltweit führenden Anbieter von qualitativ hochwertigen Industriegütern zu machen. Das Ausland soll abhängiger von China werden, China hingegen unabhängiger vom Ausland.
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Dieser Kurs hat auch Folgen in China: Staatliche Fehlplanungen haben enorme Überkapazitäten geschaffen, vor allem in der Stahl-, Automobil- und Bauindustrie. Weil die Inlandsnachfrage schwächelt, drücken die Unternehmen ihre Produkte in die Auslandsmärkte.
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In der EU drängen nun immer mehr Akteure darauf, die europäische Industrie durch Sonderzölle oder andere handelspolitische Instrumente zu schützen. Für Deutschland stellt sich diese Frage in besonderem Masse. Denn das Land hat durchaus etwas zu verlieren durch die zunehmenden chinesischen Exporte. China ist vom Kunden zum direkten Konkurrenten geworden.
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Malte Fischer und Sophia Kissling
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