Weltwoche: Herr Urbaniok, Sie haben das Buch «Schattenseiten der Migration» geschrieben. Worum geht es?
Frank Urbaniok: Es geht um die unbequemen Wahrheiten der Migration. Ich fordere eine umfassende Migrationswende – eine intelligente Migration, die Potenziale fördert und Nebenwirkungen begrenzt. Migration hat positive Seiten: Viele Ausländer tragen zur Gesellschaft bei, gründen Unternehmen, bringen positive Werte ein. Aber es gibt Schattenseiten – überproportionale Kriminalität bestimmter Gruppen, Ausbeutung von Sozialsystemen. Diese Probleme werden tabuisiert, und das destabilisiert unsere Gesellschaften. Wenn die Vernünftigen das nicht anpacken, gewinnen die Ränder – Rassisten, Populisten. Die demokratische Mitte muss handeln, bevor es zu spät ist.
Weltwoche: Welche Zahl hat Sie bei Ihrer Recherche am meisten schockiert?
Urbaniok: Die überproportionale Kriminalität bestimmter Herkunftsländer. Wir reden von Überrepräsentationen von 300, 500, 1000, 2000 und mehr Prozent. Das bedeutet vier-, sechs-, elf-, 21-mal mehr Opfer. Dazu kommen Sozialhilfequoten von 80 bis 90 Prozent bei manchen Gruppen, die nie eingezahlt haben. Das ist gravierend – es untergräbt das Vertrauen in den Staat und bedroht die Stabilität unserer Gesellschaft.
Weltwoche: Gibt’s ein Schema? Sind bestimmte Nationalitäten für bestimmte -Delikte besonders auffällig?
Urbaniok: Ja, absolut. Bei Messerdelikten im öffentlichen Raum oder Gruppenvergewaltigungen sind bestimmte Herkunftsländer – etwa aus Nordafrika oder dem Nahen Osten – eklatant überrepräsentiert. Dreimal, fünfmal, zehnmal mehr Täter als bei Inländern. Das ist nicht akzeptabel. Diese Zahlen müssen nationalitäts- und deliktspezifisch analysiert werden, sonst bleibt’s nebulös. Nur so sieht man, dass manche Gruppen – etwa aus Ostasien oder den alten EU-15-Ländern – weniger kriminell sind als Inländer. Differenzierung ist der Schlüssel.
Weltwoche: Sind Sie auch auf Zahlen gestossen, die positiv sind?
Urbaniok: Natürlich. Migration ist nicht per se problematisch. Ostasiatische Länder, -Kanada, die EU-15-Länder zeigen oft -niedrigere Kriminalitätsraten als Inländer. Migranten gründen mehr Unternehmen, beleben die Wirtschaft – wenn sie Werte teilen und sich einbringen. Mir geht es nicht um «Migration ist schlecht», sondern um die Balance: Potenziale fördern, Probleme bekämpfen.
Weltwoche: Warum sind Länder wie Syrien, Algerien, Tunesien, Afghanistan in der Kriminalitätsstatistik besonders auffällig?
Urbaniok: Wegen der kulturellen Prägungen. Es gibt Unterschiede, und die zu leugnen, ist naiv. In manchen Regionen sind extremistische religiöse Vorstellungen, ein anderes Verhältnis zu Gewalt oder patriarchale Rollenbilder verbreitet. Gewalt als Mittel zur Verteidigung der «Ehre», Frauen als Untertaninnen. Diese Prägungen sind hartnäckig, oft über Generationen hinweg. Wir sehen es in der zweiten, dritten Generation: Gewaltkriminalität, extremistische Einstellungen bleiben überrepräsentiert. Das ist kein biologisches, sondern ein kulturelles Problem, das wir ehrlich ansprechen müssen.
Weltwoche: Sind westliche Werte mit diesen Kulturen unvereinbar?
Urbaniok: Nicht pauschal. Aber die kulturellen Differenzen schaffen ein hohes Konfliktpotenzial. Wenn extremistische Vorstellungen wie Scharia oder Gottesstaat verbreitet sind, passt das nicht zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit oder Trennung von Religion und Staat. Nicht jeder aus diesen Regionen denkt so, aber die Wahrscheinlichkeit ist höher. Wir müssen unsere Werte verteidigen – für uns und für die Mehrheit der integrierten Ausländer, die oft doppelt leiden: als Opfer und durch -pauschale Vorurteile.
Weltwoche: Wo sehen Sie das grundlegende Problem in der Migrationsdebatte?
Urbaniok: Ideologische Verblendung. Eine faktenbasierte Diskussion ist kaum möglich. Sobald ich Ausländerkriminalität thematisiere, kommt der Reflex: «Rassist!» Vorträge werden abgesagt, politisch interveniert, weil das Thema «kompliziert» sei. Das ist -dumpfe Propaganda, die Lösungen blockiert. Die Menschen erleben die Probleme im Alltag – Messerstechereien, unsichere Bahnhöfe – und verlieren das Vertrauen in den Staat. Eine Desinformationskampagne von «Experten» behauptet, es gebe keine Probleme. Das ist der Kardinalfehler: Wir betrügen die Bürger um die Wahrheit.
Weltwoche: Wann begann diese Ideologisierung?
Urbaniok: Es gibt zwei Strömungen. Erstens ein linksideologisches Narrativ, das Probleme leugnet, weil sie «diskriminierend» seien. Das ist naiv: Kulturelle Unterschiede gibt’s, und Integration löst nicht alles. Es ist ein marxistisches Motiv – «das Sein prägt das Bewusstsein» –, das glaubt, Sozialpolitik nivelliere alles. Zweitens argumentiert die Wirtschaft: Wir brauchen Migration wegen Arbeitskräftemangels. Das stimmt, aber führt bisweilen dazu, dass Probleme totgeschwiegen werden, um die «gute Migration» nicht zu gefährden. Seit Jahrzehnten, verstärkt in den letzten fünfzehn Jahren, wird so die Debatte erstickt.
Weltwoche: Sind gewisse Länder bereits in der Sackgasse? Wegen zu viel unguter Migration? Sind Kipppunkte bereits erreicht?
Urbaniok: In manchen Ländern, ja. In -Schweden zum Beispiel: Bandenkriminalität, Morde, da hat der Staat teilweise die Kontrolle verloren. Oder Frankreich: Da gibt es No-go-Areas. In Deutschland zeigen Messerstechereien in Bahnhöfen oder Sicherheitskräfte in Kliniken, wie weit es ist. Die Schweiz ist besser dran, sie hinkt vier, fünf Jahre hinterher, aber die Pro-bleme sind da: Schauen Sie nach Genf, Zürich, Basel, wenn Sie am Freitag, Samstag in den Ausgang gehen. Die Schweiz hat als Nicht-EU-Land mehr Spielraum – den müssen wir nutzen.
Weltwoche: Können Sie sich erklären, warum so viele die Augen verschliessen vor diesen offensichtlichen Problemen?
Urbaniok: Menschen lieben einfache Lösungen. Migration ist ein ideologisches Minenfeld – unangenehm, komplex. Niemand packt gern Themen wie Extremismus oder Gewalt an. Dazu kommt der Shitstorm: Wer -Probleme anspricht, wird als Rassist beschimpft. Das blockiert die Debatte, verschleppt Lösungen, macht sie teurer und schwieriger. Wir müssen uns davon befreien und ehrlich handeln.
Weltwoche: Ist Deutschland unter Kanzler Merz und Innenminister Dobrindt auf dem richtigen Weg?
Urbaniok: Grenzkontrollen und Abschiebungsrhetorik sind ein Schritt, aber keine Wende. Ich schlage siebzehn Massnahmen vor – von roten Linien über Ausschaffungen bis zum Passentzug bei schwerem Integrationsversagen. Merz ist weit davon entfernt. -Grenzen allein lösen nichts; es braucht eine Systemreform. Ohne die Probleme an der Wurzel zu packen, bleibt’s illusorisch.
Weltwoche: Attentate wie in Mannheim, Solingen oder Aschaffenburg – was denken Sie da im ersten Moment?
Urbaniok: Sie sind die Spitze des Eisbergs. Die Debatte ist ritualisiert: Betroffenheit, Bedauern, dann der Ruf, nicht zu «instrumentalisieren». Nach drei Tagen geht’s weiter wie bisher. Darunter liegt der wahre Eisberg: alltägliche Gewalt, Messerstechereien, unsichere öffentliche Räume. Deutschland ist unsicherer als vor fünfzehn Jahren – Übergriffe auf Ärzte, Feuerwehr, Polizei zeigen es. Wir müssen handeln, bevor es weiter eskaliert.
Weltwoche: Warum explodieren gerade Messerdelikte?
Urbaniok: Sinkende Hemmschwellen, steigendes Bedrohungsgefühl, Eskalationsspiralen. Gruppen, die Raubdelikte begehen, bewaffnen sich; andere folgen. Gewalt nährt Gewalt. Migranten aus bestimmten Regionen sind bei Messerdelikten überrepräsentiert, weil kulturelle Prägungen Gewalt normalisieren. Viele Kriminologen leugnen das mit Ausreden wie «junge Männer» oder «Klimawandel» – zynisch und verharmlosend. Wir müssen die Wahrheit anerkennen.
Weltwoche: Wie kann es sein, dass ein Attentäter schuldunfähig gesprochen wird?
Urbaniok: Da geht es um die Einzelfallfrage. Bei Schizophrenie, wenn jemand die Realität verliert, ist Schuldunfähigkeit nach unserem Rechtssystem möglich – bei Inländern wie Ausländern. Aber: Es gibt mehr psychisch auffällige Täter mit Migrationshintergrund. Das ist ein Problem, das wir angehen müssen, ohne pauschal zu urteilen.
Weltwoche: Kann ein Attentäter überhaupt resozialisiert werden?
Urbaniok: Nach 33 Jahren und über 5000 Tätern weiss ich: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Manche sind resozialisierbar, andere nicht. Man muss Motiv, Persönlichkeit, Gefährlichkeit prüfen. Pauschalisierung hilft nicht – jeder Fall ist anders.
Weltwoche: Was wäre sofort zu tun, um den grössten Nutzen zu erzielen?
Urbaniok: Meine siebzehn Massnahmen umsetzen. Heruntergebrochen, müsste man erstens: Asylrecht durch Kontingente ersetzen, um die Souveränität zurückzugewinnen. Zweitens: Zahlen offenlegen – nationalitäts- und deliktspezifisch, sofort. Drittens: Integration forcieren, klare Regeln setzen, bei Versagen sanktionieren – inklusive Ausschaffung. Viertens: spezialisierte Polizeieinheiten gegen organisierte Kriminalität wie Clans. Früh handeln, bevor Systeme sich verselbständigen. Die Schweiz könnte morgen starten – bislang fehlt der Wille.
Weltwoche: Die NZZ nennt Sie «Experte des Bösen». Was macht das mit Ihnen, wenn Sie sich täglich mit den Abgründen der Menschheit beschäftigen?
Urbaniok: Ich bin von Grund auf optimistisch. Viele Täter wurden mit den richtigen Massnahmen nicht rückfällig – Erfolgsgeschichten motivieren. Ich habe kein romantisches Weltbild, aber ich glaube an pragmatische Lösungen. «Böse» ist kein Begriff für mich – ich frage: Wie gefährlich ist jemand? Moral führt oft zu Doppelmoral, Pragmatismus ist ehrlicher.
Frank Urbaniok: Schattenseiten der Migration. Zahlen, Fakten, Lösungen (Voima-Verlag).
Das Video-Interview finden Sie auf www.weltwoche.de
"Die demokratische Mitte muss handeln, bevor es zu spät ist." - das ist amüsant, ist diese doch für die Zustände verantwortlich. Und was soll man mit Leuten, die von "Gewalt legitimierenden Normen" und kollektiv-archaischen Begriffen der "Ehre" geprägt sind u einer "Religion", die expansiv, chauvinistisch und diskriminierend ist? Nirgends gibt es bspw idR Probleme mit Buddhisten.
Wer in Deutschland ist denn bitte die "demokratische Mitte"?